🔆 Ratgeber
Wann sich eine Photovoltaikanlage rechnet
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kostet einmalig viel Geld und bringt danach Jahr für Jahr einen Ertrag. Die zentrale Frage lautet deshalb: Nach wie vielen Jahren hat die Anlage ihre Kosten wieder eingespielt? Die Antwort hängt weniger davon ab, wie viel Strom die Module erzeugen, als davon, wie viel davon du selbst verbrauchst – denn selbst genutzter Strom ist fast fünfmal so viel wert wie eingespeister.
In diesem Ratgeber rechnen wir mit dem PV-Amortisationsrechner und seinen Vorgabewerten: 8 kWp Leistung, 950 kWh pro kWp spezifischer Ertrag, 12.000 € Investition, 30 % Eigenverbrauch, 0,37 €/kWh Strompreis, 0,077 €/kWh Einspeisevergütung und 100 € Betriebskosten im Jahr. Danach zeigen wir, wie stark jede einzelne Annahme das Ergebnis verschiebt.
So rechnet der PV-Amortisationsrechner
Der Rechner ermittelt zuerst den Jahresertrag: Anlagenleistung mal spezifischer Ertrag. 950 kWh pro kWp sind ein Richtwert für Deutschland; je nach Region, Dachneigung, Ausrichtung und Verschattung kann dein Dach darüber oder darunter liegen. Den Ertrag teilt der Rechner in Eigenverbrauch und Einspeisung auf.
Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart Netzstrom und wird mit deinem Strompreis bewertet. Jede eingespeiste Kilowattstunde bringt die Einspeisevergütung. Davon ziehst du die laufenden Betriebskosten ab und erhältst den jährlichen Ertrag in Euro. Die Amortisationsdauer ist dann einfach Investition geteilt durch jährlichen Ertrag. Wie die Richtwerte zustande kommen, steht in der Methodik.
- Jahresertrag: 8 kWp × 950 kWh/kWp = 7.600 kWh.
- Eigenverbrauch: 7.600 kWh × 30 % = 2.280 kWh, bewertet mit 0,37 € = 843,60 €.
- Einspeisung: 7.600 − 2.280 = 5.320 kWh, vergütet mit 0,077 € = 409,64 €.
- Jährlicher Ertrag: 843,60 € + 409,64 € − 100 € Betriebskosten = 1.153,24 €.
- Amortisation: 12.000 € ÷ 1.153,24 € = rund 10,4 Jahre.
Eigenverbrauch schlägt Einspeisung
Der wichtigste Zusammenhang steckt in zwei Zahlen: Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom zu 0,37 €, eine eingespeiste bringt nur 0,077 €. Das ist ein Verhältnis von etwa 4,8 zu 1. Bei der Vorgabe-Anlage bringt deshalb jeder Prozentpunkt mehr Eigenverbrauch rund 22,27 € im Jahr – das sind 76 kWh, die du statt zu 0,077 € nun zu 0,37 € verwertest.
Die Tabelle zeigt dieselbe Anlage mit unterschiedlichem Eigenverbrauchsanteil. Ohne Speicher liegen typische Einfamilienhäuser nach den Hinweisen auf der Rechnerseite oft bei 25–35 %. Werte ab 50 % sind ohne Speicher meist zu optimistisch.
- Waschmaschine, Geschirrspüler und Trockner per Startzeitvorwahl in die sonnigen Stunden legen.
- Große Verbraucher wie Wärmepumpe oder E-Auto steigern den Eigenverbrauch besonders, wenn sie tagsüber laufen oder laden. Wie das Laden zu Hause funktioniert, zeigt der Ratgeber E-Auto zu Hause laden.
- Homeoffice verschiebt Verbrauch in den Tag und hilft damit ebenfalls.
| Eigenverbrauch | Selbst genutzt | Eingespeist | Ertrag/Jahr | Amortisation |
|---|---|---|---|---|
| 20 % | 1.520 kWh | 6.080 kWh | 930,56 € | 12,9 Jahre |
| 30 % (Vorgabe) | 2.280 kWh | 5.320 kWh | 1.153,24 € | 10,4 Jahre |
| 40 % | 3.040 kWh | 4.560 kWh | 1.375,92 € | 8,7 Jahre |
| 50 % | 3.800 kWh | 3.800 kWh | 1.598,60 € | 7,5 Jahre |
| 60 % | 4.560 kWh | 3.040 kWh | 1.821,28 € | 6,6 Jahre |
🦊 Fuchs-Tipp: Schätze deinen Eigenverbrauch lieber vorsichtig. Rechne zuerst mit 25 oder 30 % und prüfe, ob dir die Amortisationsdauer dann noch reicht. Alles, was du später an Verbrauch in den Tag verschiebst, ist ein Bonus.
Weitere Stellschrauben: Ertrag, Strompreis, Investition
Neben dem Eigenverbrauch beeinflussen vier weitere Größen das Ergebnis. In der folgenden Tabelle ist jeweils nur ein Wert gegenüber der Vorgabe-Anlage geändert, alle übrigen bleiben gleich. Die geänderten Werte sind Annahmen für den Vergleich, keine Preisempfehlungen.
| Änderung gegenüber Vorgabe | Ertrag/Jahr | Amortisation |
|---|---|---|
| Keine (Vorgabe) | 1.153,24 € | 10,4 Jahre |
| Spezifischer Ertrag 850 kWh/kWp | 1.021,32 € | 11,7 Jahre |
| Spezifischer Ertrag 1.050 kWh/kWp | 1.285,16 € | 9,3 Jahre |
| Strompreis 0,30 €/kWh | 993,64 € | 12,1 Jahre |
| Strompreis 0,39 €/kWh | 1.198,84 € | 10,0 Jahre |
| Investition 10.000 € | 1.153,24 € | 8,7 Jahre |
| Investition 14.000 € | 1.153,24 € | 12,1 Jahre |
| Keine Betriebskosten | 1.253,24 € | 9,6 Jahre |
🦊 Fuchs-Tipp: Investition und Eigenverbrauch wirken ähnlich stark: 2.000 € weniger Anlagenpreis verkürzen die Amortisation der Vorgabe-Anlage auf 8,7 Jahre – genauso viel wie 10 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauch.
Teileinspeisung oder Volleinspeisung?
Für Anlagen bis 10 kWp gibt es zwei Vergütungsmodelle. Bei der Teileinspeisung nutzt du einen Teil des Stroms selbst und bekommst für den Überschuss 7,70 ct/kWh – das ist das Modell, mit dem der Rechner standardmäßig arbeitet. Bei der Volleinspeisung speist du den gesamten Strom ein und erhältst dafür einen höheren Satz, laut Bundesnetzagentur 12,22 ct/kWh bei Inbetriebnahme zwischen 1. August und 31. Dezember 2026.
Rechnest du die Vorgabe-Anlage als Volleinspeisung, setzt du im Rechner den Eigenverbrauch auf 0 % und die Vergütung auf 0,1222 €/kWh. Das ergibt 7.600 kWh × 0,1222 € = 928,72 € Erlös, abzüglich 100 € Betriebskosten 828,72 € im Jahr und eine Amortisation von 14,5 Jahren. Mit 30 % Eigenverbrauch und Teileinspeisung sind es dagegen 10,4 Jahre. Solange du einen nennenswerten Teil des Stroms selbst nutzt, ist die Teileinspeisung bei diesen Preisen im Vorteil.
Die Vergütung hängt vom Monat der Inbetriebnahme ab und gilt danach für 20 Jahre. Prüfe vor der Planung den aktuellen Satz; unsere Vorgabewerte und ihre Belege stehen unter Quellen.
Speicher und Förderung: richtig einrechnen
Ein Batteriespeicher ist im Rechner bewusst nicht als eigenes Modell enthalten, weil Kosten, Kapazität und Lebensdauer stark streuen. Du kannst ihn trotzdem abbilden: Trage einen höheren Eigenverbrauch ein und erhöhe die Investition um den Speicherpreis aus deinem Angebot. Steigt der Eigenverbrauch der Vorgabe-Anlage zum Beispiel von 30 auf 60 %, wächst der jährliche Ertrag um 668,04 €. Ein Speicher rechnet sich nur, wenn sein Aufpreis durch diesen Mehrertrag in einer Zeit eingespielt wird, die deutlich kürzer ist als seine erwartete Lebensdauer.
Förderprogramme von Bund, Ländern oder Kommunen ändern sich häufig und unterscheiden sich regional. Deshalb nennen wir hier keine Beträge. Gibt es für dein Projekt einen Zuschuss, ziehst du ihn einfach von der Investition ab, bevor du sie in den Rechner einträgst. Prüfe auch, ob dein Angebotspreis bereits alle Steuern enthält, damit du nichts doppelt rechnest.
- Anlage ohne Speicher mit vorsichtigem Eigenverbrauch rechnen.
- Dieselbe Anlage mit Speicher rechnen: höherer Eigenverbrauch, höhere Investition laut Angebot.
- Mehrertrag pro Jahr und Mehrkosten vergleichen: Mehrkosten ÷ Mehrertrag = Amortisation des Speichers.
- Zuschüsse jeweils von der Investition abziehen, aber nur, wenn sie zugesagt sind.
Was nach der Amortisation bleibt – und was der Rechner nicht weiß
Ist die Anlage bezahlt, bleibt der jährliche Ertrag als Überschuss. Unter der Annahme, dass alle Werte gleich bleiben, bringt die Vorgabe-Anlage über 20 Jahre 23.064,80 € Ertrag. Nach Abzug der 12.000 € Investition bleiben 11.064,80 €. Mit 40 % Eigenverbrauch wären es 15.518,40 €.
Diese Rechnung ist bewusst einfach gehalten. Folgende Punkte bildet der Rechner nicht ab:
- Strompreisentwicklung: Gerechnet wird mit konstantem Strompreis. Steigt er, wird der Eigenverbrauch wertvoller und die Amortisation kürzer; sinkt er, gilt das Gegenteil.
- Degradation: Module verlieren mit den Jahren etwas Leistung. Das ist für die Schätzung meist nachrangig, macht das Ergebnis aber leicht zu optimistisch.
- Reparaturen: Ein späterer Wechselrichtertausch gehört in die Betriebskosten. Die 100 € pro Jahr sind eine Annahme für Versicherung, Wartung und Rücklagen.
- Finanzierung: Kreditzinsen oder entgangene Zinsen auf Erspartes sind nicht enthalten.
- Stundengenaue Werte: Der Eigenverbrauch ist ein Jahresdurchschnitt, keine Simulation deines Lastprofils.
🦊 Fuchs-Tipp: Rechne immer zwei Varianten: eine vorsichtige mit niedrigerem Ertrag und Eigenverbrauch und eine realistische mit den Werten aus deinem Angebot. Liegt schon die vorsichtige Variante in einem für dich akzeptablen Zeitraum, ist die Entscheidung deutlich sicherer.
Angebote vergleichen: so gehst du vor
Die Amortisation ist ein guter Maßstab, um mehrere Angebote nebeneinanderzulegen. Achte darauf, dass du sie wirklich gleich rechnest: gleicher spezifischer Ertrag, gleicher Eigenverbrauch und gleiche Betriebskosten. Unterschiede entstehen dann nur noch durch Anlagenleistung und Preis.
Für die Einordnung deines Eigenverbrauchs hilft ein Blick auf den Haushaltsverbrauch: Liegt er etwa bei 4.000 kWh im Jahr, würden die 2.280 kWh Eigenverbrauch der Vorgabe-Anlage schon 57 % davon decken – ein Anteil, der ohne Speicher eher schwer erreichbar ist. Wie du deinen Stromverbrauch insgesamt senkst, zeigt der Ratgeber Stromverbrauch senken. Für eine kleine Steckersolaranlage ohne Einspeisevergütung ist der Ratgeber Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? die bessere Anlaufstelle.
Häufige Fragen
Nach wie vielen Jahren amortisiert sich eine PV-Anlage?
Mit den Vorgabewerten des PV-Amortisationsrechners (8 kWp, 950 kWh/kWp, 12.000 €, 30 % Eigenverbrauch, 0,37 €/kWh, 0,077 €/kWh Vergütung, 100 € Betriebskosten) nach rund 10,4 Jahren. Mit 50 % Eigenverbrauch wären es 7,5 Jahre, mit 20 % 12,9 Jahre.
Warum ist Eigenverbrauch so wichtig?
Eine selbst genutzte Kilowattstunde spart 0,37 € Netzstrom, eine eingespeiste bringt nur 0,077 €. Bei der Vorgabe-Anlage bringt jeder Prozentpunkt mehr Eigenverbrauch deshalb rund 22,27 € im Jahr.
Lohnt sich Volleinspeisung?
Mit den aktuellen Sätzen meist weniger als die Teileinspeisung. Die Vorgabe-Anlage bringt bei Volleinspeisung zu 12,22 ct/kWh 828,72 € im Jahr und amortisiert sich nach 14,5 Jahren, mit 30 % Eigenverbrauch und Teileinspeisung nach 10,4 Jahren.
Wie rechne ich einen Batteriespeicher ein?
Trage im Rechner einen höheren Eigenverbrauch und eine um den Speicherpreis erhöhte Investition ein. Steigt der Eigenverbrauch der Vorgabe-Anlage von 30 auf 60 %, bringt das 668,04 € mehr im Jahr. Teile den Aufpreis des Speichers durch diesen Mehrertrag, um seine eigene Amortisation zu sehen.
Sind Förderungen im Rechner enthalten?
Nein. Förderprogramme ändern sich häufig und unterscheiden sich regional. Ziehe einen zugesagten Zuschuss von deiner Investition ab, bevor du sie einträgst.
Alle Zahlen sind nachvollziehbare Rechenbeispiele mit offen genannten Annahmen und Vorgabepreisen (Oktober 2026), keine individuelle Beratung. Wie wir rechnen, steht in der Methodik, die Preisbelege unter Quellen.